| Ärzteprotest gegen
die Propagierung der "Anti-Baby-Pille"
Denkschrift
Es ist einfach in der Welt so eingerichtet, daß die grundsätzliche Achtung der letzten Gesetze und Rechte des Lebens zugleich der Selbsterhaltung am dienlichsten ist. Die letzte verantwortliche Frage ist nicht, wie ich mich heroisch aus der Affäre ziehe, sondern wie eine kommende Generation weiterleben soll. Dietrich
Bonhoeffer
Inhalt
dieses Heftes:
A. Bericht über Anlaß und Auswirkung dieser Initiative der Ärzte. A. Anlaß und Auswirkung dieser Ulmer Denkschrift Ernste, persönlichste Sorge und Verantwortung spricht aus den deutlichen Worten dieser "Ulmer Denkschrift". Über 400 Ärzte haben 1964 darin protestierend "gegen die derzeitige öffentliche Propaganda für Geburtenbeschränkung und die wachsende Sexualisierung unseres öffentlichen Lebens" Stellung genommen. Die Beobachtung und Beurteilung einer der "fundamentalsten Lebensfragen unserer Nation und unserer ganzen Welt" trägt die Unterschrift von 45 Professoren von denen 25 eine Professur für Frauenheilkunde innehaben, darunter die Leiter der Universitätsfrauenkliniken von Freiburg, Heidelberg, Kiel und Tübingen. Die Verfasser des Memorandums weisen ausdrücklich darauf hin, daß "zwischen körperlichen, geistig-seelischen, wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Vorgängen unlösbare Wechselwirkungen bestehen, auch da, wo der Fragenkomplex nicht unmittelbar medizinischen Charakter hat ..." Aus dem Begleitschreiben In einem vom Ehrenpräsidenten der Bundesärztekammer und des Deutschen Bundesärztetages Prof. D. Dr. H. Neuffer mit unterzeichneten Begleitbrief an Professoren und Kollegen werden die ethischen Motive, die zu der Denkschrift geführt haben, dargelegt: Es ist noch keine 20 Jahre her, seit unsere Ärztekammern in feierlicher Form die Trennung von Arzttum und Moral im politischen Bereich verurteilten, weil der politische Materialismus den Arzt zu seinem Funktionär zu machen suchte und ihn unter der Parole der Erhaltung der eigenen Rasse zum Handeln gegen das Leben und gegen seinen hippokratischen Eid zwingen wollte. Heute will man unter Zuhilfenahme des öffentlichen Druckes der Massenpresse und des Fernsehens den Arzt zum Funktionär des wachsenden sexuellen Materialismus degradieren durch die Forderung, daß die sog. "Antibabypillen" auch ohne ärztliche Indikation an unverheiratete Frauen und an Mädchen ausgegeben werden sollen. Aus dem Diener des Lebens würde so der Bedienstete des Sich-auslebens, dessen Aufgabe es ist, durch ein Privatrezept jedermann unverbindliche und folgenfreie sexuelle Beziehungen zu ermöglichen und dabei vor allem die von der Schöpfungsordnung her damit verbundene Möglichkeit der Entstehung neuen menschlichen Lebens zu verhindern. Eine derartige Verdienstquelle würde dem Arzttum mit Recht die Achtung der Öffentlichkeit nehmen und den hippokratischen Eid der Lächerlichkeit preisgeben ... Eine tatsächliche Kontrolle
der Ovulationshemmer und aller weiteren derartigen Mittel ist nur denkbar,
wenn es gelingt, eine gemeinsame ärztliche Haltung im Sinne der hippokratischen
Verpflichtung der Förderung und Erhaltung des Lebens in der Ärzteschaft
aufrecht zu erhalten. Eine solche gemeinsame Haltung aber ist nur möglich
aus einer Gesamtschau aller von dieser Frage betroffenen Lebensgebiete
und aus einer neuen Besinnung auf das Menschen- und Weltbild, das echtem
ärztlichem Handeln
Dazu will die beiliegende Denkschrift anregen. Sie behandelt deshalb bewußt nicht nur einen medizinischen Teilaspekt des ganzen Fragenkomplexes ..." Die Debatte ist erst eröffnet Der Appell eröffnete
eine notwendige Debatte, die weit über die Grenzen unseres Landes
hinausgeht.
Unter Berücksichtigung der seit 1956 fortgeschrittenen Entwicklung fand auf dem 19. Deutschen Therapiekongreß in Karlsruhe im September 1967 eine erneute Beratung über akute Probleme "verantwortlicher Elternschaft", zu denen ja auch die sog. Antibabypillen-Diskussion gehört, statt. Dabei wurde von berufener Seite darauf hingewiesen: "Es muß die Frage gestellt werden, ob die allzu große Vereinfachung des Liebeslebens und die durch den Konsumgenuß völlig gewandelte Sexualität nicht zu einer Perfektionierung, Bagatellisierung und Nivellierung der letzten Phase einer erfüllten Liebe führen." "Dem Arzt fällt die Aufgabe zu, als mahnender und warnender Helfer aufzutreten, um den ,reißenden Strom' zu lenken und zu dämmen." Wer bereit ist, auf die Weisung und Warnung des Arztes zu hören, der sollte auch den Wortlaut der "Ulmer Denkschrift" an das Bundesministerium für Gesundheitswesen kennen und den Inhalt bedenken. Horst-Klaus Hofmann
Die Ulmer Denkschrift im Wortlaut
An das Bundesgesundheitsministerium
Betr.: Antrag zur Frage der derzeitigen öffentlichen Propaganda für Geburtenbeschränkung Sehr verehrte Frau Ministerin, Antrag die unterzeichneten Ärzte
haben mit großer Sorge Kenntnis genommen von der wachsenden öffentlichen
Propagandawelle für Empfängnisverhütung und
Aus einer in der Zeitschrift "Constanze" abgedruckten Äußerung Ihrerseits haben wir entnommen, daß beabsichtigt sei, die "Polizeiverordnung" über das Verbot der öffentlichen Werbung für empfängnisverhütende Mittel abzuschaffen. D.h. also, wenn wir recht verstanden haben, soll der _ 184 des Strafgesetzbuches entsprechend geändert werden. In zahlreichen anderen Veröffentlichungen, sind eine große Anzahl angeblicher Äußerungen von Frauenärzten und anderen Persönlichkeiten abgedruckt, in denen u.a. die unbeschränkte Abgabe von solchen "Antibabypillen" gefordert wird. Dabei soll die Leiterin des staatl. Gesundheitsamtes Berlin sogar die Abgabe auf Krankenkassenkosten gefordert haben und Prof. Lax aus der Univ.-Klinik in Berlin habe laut Bericht der Bildzeitung, der FAZ und anderer Zeitungen (siehe Anlage) die Forderung aufgestellt, die Pillen als Mittel gegen die Abtreibungsseuche auch an junge Mädchen abzugeben. Die unterzeichneten Ärzte erheben hiermit in aller Form Protest gegen diese den medizinischen und ethischen Ordnungen des ärztlichen Berufs zuwiderlaufende Art und Weise, dieses schwierige Problem zu behandeln. Der unlösbare Zusammenhang und die intensive Wechselwirkung zwischen körperlichen, geistig-seelischen, wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Vorgängen zwingt uns zu diesem ganzen Fragenkomplex Stellung zu nehmen auch dort, wo er nicht unmittelbar medizinischen Charakter hat, weil seine negativen Auswirkungen die körperliche und seelische Gesundheit und die Zukunft unserer Patienten und unseres ganzes Volkes bedrohen. Wir bitten Sie deshalb, das ganze Problem in Zusammenarbeit mit verantwortlichen Fachleuten der verschiedenen Lebensbereiche unter allen geistigen, moralischen, biologischen, politischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchzuarbeiten, so daß Ärzteschaft und Gesundheitsministerium zu gemeinsamen Vorstellungen und Richtlinien kommen, die den Gegebenheiten der natürlichen Schöpfungsordnung ebenso entsprechen, wie den besten Traditionen abendländischer Gesittung. Insbesondere bitten wir folgende Forderungen unsererseits in diesem Zusammenhang den entsprechenden staatlichen Stellen gegenüber zu vertreten: Schwerpunkte 1. Das Bundesgesundheitsministerium möge nach geeigneten Wegen suchen, um die wirklichen Ursachen der Abtreibungsseuche zu bekämpfen, die nicht in einer mangelnden Propaganda für "Antibabypillen" zu suchen sind, sondern in der ungehemmten öffentlichen und privaten Sexualisierung und der Zersetzung der sittlichen und moralischen Substanz unseres Volkes.
Begründung Teil I
1. Die schöpferischen Kräfte und Energien des Menschen sind im biologischen und geistigen Bereich eng miteinander verbunden. In ihnen liegen die stärksten Potenzen und größten Möglichkeiten für die Erschaffung, Entwicklung und Erhaltung der Persönlichkeit und der Kultur. Bereits 1934 zeigte der englische Historiker J.D. Unwin in einer ausführlichen Untersuchung aller bisherigen großen Kulturen in seinem Werk "Sex and Culture" die vitale Bedeutung der positiven oder negativen Verwendung der schöpferischen Energien der Einzelnen und der Gesellschaft auf. Er kam auf Grund dieser Untersuchung zur Überzeugung, daß von dem disziplinierten oder zuchtlosen Einsatz dieser von ihm als "Sozialenergie" bezeichneten Kräfte bisher Aufstieg und Untergang aller Kulturen abhing. 2. Während wir diese Gesetzmäßigkeiten des Lebens leichtfertig immer mehr mißachten in ihrer Bedeutung für den Einzelnen und das ganze Volk, und unser christlich abendländisches Erbe zerstören lassen im Sinne der kommunistischen Strategie, die die Aufweichung der "bürgerlichen Moral" als eine Voraussetzung für die kommunistische Machtübernahme ansieht, werden in Sowjetrußland und Rotchina diese geschichtsbildenden Faktoren immer stärker in ihrer Bedeutung erkannt und bewußt in die ideologisch politische Planung der Weltrevolution eingebaut. 3. Die Vorstellung, daß
der Sinn des menschlichen Lebens in "Wohlstand und Lebensgenuß" liege,
ist zum Leitbild für den größten Teil unseres Volkes geworden.
Diese Meinung ist so selbstverständlich, daß die Politiker auf
die von der Zeitschrift "Constanze" gestellte Frage nach dem "Recht auf
ein glückliches Sexualleben" gar nicht mehr auf die Idee kamen, daß
auch auf diesem Sektor alle "Rechte" sich letzten Endes nur aus den damit
verbundenen Pflichten begründen lassen.
4. Die Tatsache, daß der Nat. Sozialismus diese Erkenntnisse und Grundgesetze des Völkerlebens zu machtpolitischen Zwecken mißbrauchte, setzt sie keineswegs in ihrer Realität außer Kraft und rechtfertigt auf keinen Fall die heutigen entgegengesetzten Entartungserscheinungen. 5. Das Wesen der Geschlechtlichkeit ist beim Menschen die völlige Einswerdung von zwei Menschen in einer körperlich-seelischen-geistigen Lebensgemeinschaft. Sichtbarer Ausdruck der Unlösbarkeit dieser Verbindung zwischen Mann und Frau ist das Kind, das in seiner neuen Existenz die unteilbare Einheit beider Elternteile biologisch verkörpert. Ihr Sinn ist deshalb die Erhaltung der menschlichen Art und die Gemeinschaftsbildung. Der einseitige und selbstsüchtige Mißbrauch entwürdigt und zerstört die menschliche Persönlichkeit und die Gemeinschaft. 6. So wie alle ständigen
übersteigerten Reize auf den menschlichen Körper zunächst
zu einer Hypertrophie der betr. Organe und Eigenschaften führen und
dann zu ihrer Degeneration, sind auch die meisten Formen der "modernen"
Sexualität mit ihren Übersteigerungen und Perversionen krankhaft
zivilisatorische Kunstprodukte. Die üblich gewordene Herabwürdigung
der schöpferischen Kräfte des Menschen zu privaten Suchtzwecken
und zur körperlichen Ausbeutung des Nebenmenschen ist deshalb keineswegs
"naturbedingt".
Begründung Teil II
7. Einen entscheidenden Anteil an den Fehlentwicklungen und der Abtreibungsseuche hat die heute übliche Sexualisierung des öffentlichen Lebens. Hierzu gehört insbesondere: a) Die hemmungslose propagandistische Ausnützung des weiblichen Körpers und sexueller Reize zu Reklamezwecken und jeder Form üblicher Geschäftemacherei in Wirtschaft, Theater, Film, Fernsehen, Illustrierten, Büchern usw.8. All diese Erscheinungen helfen mit, das normale Empfinden und Verhalten zu pervertieren. Die von ihrem wesentlichen Sinn gelöste Sexualität wird zur Sucht der Abreaktion und verlangt nach Befriedigung vor, in und außerhalb der Ehe. Die voreheliche Geschlechtsgemeinschaft verkehrt in den meisten Fällen das natürliche Verlangen einer gesund empfindenden Frau nach Kindern in die Angst vor dem Kind. Genau so wirkt die hemmungslose als "Recht" proklamierte Sexualität in der Ehe. Die gegenseitige Achtung wird zerstört und dann letztlich oft die Ehe durch Mißtrauen und Eifersucht auf Grund der Erfahrungen miteinander vor und in der Ehe ruiniert. 9. Eine weitere Folgeerscheinung ist der Verlust der Ehrfurcht vor dem keimenden Leben und damit auch der Achtung vor der Entstehung des eigenen Lebens und der Dankbarkeit und Liebe zu den Eltern. Und hier, nicht in einem Mangel an sexueller Aufklärung oder an Antibabypillen, liegt die eigentliche Ursache für die Abtreibungsseuche, diesem fortgesetzten Massenmord am menschlichen Leben, für den in den allermeisten Fällen im Zeichen des wirtschaftlichen Aufstieges keine sozialen, finanziellen oder ethischen Gründe mehr verantwortlich gemacht werden können. 10. Die Idee, die Abtreibungsseuche durch öffentliche Propaganda für "Antibabypillen" oder gar durch Fernseh- und Schulaufklärung über Verhütungsmittel (Dänemark, Berlin und Norwegen) zu bekämpfen, ist deshalb ein geistiger Kurzschluß, der Ursache und Wirkung verwechselt. Denn wie unter 7 d bereits ausgeführt wurde, ist gerade diese Propaganda ein Teil der öffentlichen Sexualisierung. Darum stellt diese "Hilfe" die übelste Form einer symptomatischen Therapie dar, die das Grundleiden vergrößert, indem sie seine Symptome zu bekämpfen sucht. 11. Eine wahllose Ausgabe solcher Tabletten würde außerdem bei vielen weiteren Frauen und Mädchen in- und außerhalb der Ehen die letzten Bremsen gegen den modernen Sexualisierungstrend beseitigen mit allen medizinischen, sozialen und politischen Konsequenzen. Wir kennen diese Hemmungslosigkeit ja bei manchen Fällen nach Sterilisation. Begründung Teil III
1. Das Problem der Überbevölkerung ist kein deutsches Problem, sondern vor allem ein Problem der jungen farbigen Völker. Deutschland und Österreich stehen in der Zahl der Geburten an letzter Stelle und unser Problem ist die Überalterung, aber nicht der Geburtenüberschuß. Trotz des Zuwachses an Heimatvertriebenen und Flüchtlingen benötigen wir heute über eine Million Gastarbeiter, um unsere Arbeitsplätze zu besetzen. Es gibt zu wenig Lehrlinge, zu wenig Schwestern und Pfleger, zu wenig Hausgehilfinnen, zu wenig Lehrer und Pfarrer, zu wenig gute Ausbilder in der Bundeswehr usw. Jugend ist Mangelware und die Wirtschaft reißt sich deshalb mit immer höheren und ungesünderen Angeboten um die junge Generation, die kein Lebensrisiko mehr eingehen muß und deshalb oft charakterlich verdorben wird. Es entwickelt sich dadurch bei vielen eine so materialistische Haltung, daß die Notwendigkeit für das Volksganze auch - wenn nötig - große Opfer zu bringen, für die meisten nur noch als Dummheit erscheint. 2. Die Möglichkeit, ohne scharfe Kontrollen "Antibabypillen" zu bekommen, konnte bei der bereits jetzt bestehenden Geburtenunterbilanz Deutschland in ein sterbendes Volk verwandeln. Denn es ist anzunehmen, daß zunächst ein großer Prozentsatz aller Kinder nicht bewußt gewollt waren, sondern erst später von ihren Eltern wirklich erwünscht und innerlich angenommen werden. 3. Die Frage, inwieweit bei
der Überbevölkerung in Asien, Afrika und Südamerika - also
bei den farbigen Völkern - empfängnisverhütende Tabletten
eingesetzt werden müssen, um ein Davonlaufen der Geburtenziffern als
Folge der ärztlichen Hygiene gegenüber der Nahrungsmittelproduktion
und dem industriellen Aufbau zu verhindern, erfordert eine genauere Prüfung.
4. Es ist deshalb nicht unsere
Aufgabe, aus einem rein äußerlichen technischen oder gar chemisch-wirtschaftlichen
Denken heraus den farbigen Völkern Methoden zur Lösung des Geburtenproblems
aufzudrängen, die ihren besten Traditionen und Vorbildern zuwider
laufen. Sonst setzen wir uns erneut der Gefahr aus, daß man uns beschuldigt,
in den Farbigen nach wie vor Menschen niederster Klasse zu sehen, die gar
nicht fähig sind, sich zu sauberen und verantwortungsbewußten
Persönlichkeiten zu entwickeln.
5. Da die politische, wirtschaftliche,
kulturelle, militärische und Arbeits-Moral mit der sexuellen Moral
eng zusammenhängen, gilt die von Prof. Streeter Oxford 1935, ebenso
wie von Prof. Jaspers und anderen führenden Denkern unserer Zeit vertretene
Forderung auch für diesen Sektor: Eine Menschheit, die sich technisch
entwickelt, muß sich auch moralisch entwickeln, wenn sie der Selbstvernichtung
entgehen will.
6. In Wirklichkeit betreiben
wir aber eine geradezu umgekehrte Kulturpolitik, durch unsere Filme, Bücher,
"wissenschaftliche" Aufklärung, Zeitschriften und durch unser eigenes
Beispiel an Universitäten und Schulen, an denen die farbige Intelligenz
ausgebildet wird. Dazuhin ist für unsere derzeitige "geistig-moralische
Entwicklungshilfe" charakteristisch, daß bei uns hergestellte Filme
oft zwei Fassungen haben, wobei eine Fassung für die Zensur durch
die Selbstkontrolle bei uns gemacht wird, während die andere für
den Export in Länder hergestellt ist, die keine Zensur haben und deshalb
mit Szenen
Folgerungen Teil IV Auch wenn wir als Ärzte nicht in der Lage sind, alle Details des hier zur Diskussion stehenden Gesamtproblems zu übersehen, weil es sich auch um nicht-medizinische Bereiche handelt, so ist doch aus den hier angesprochenen Zusammenhängen für jedermann ersichtlich, daß es sich bei dem Problem der öffentlichen Sexualisierung und der Abtreibungsseuche um eine der fundamentalsten Lebensfragen unserer Nation und unserer ganzen Welt handelt. Und weder der Einzelne noch der Staat kann sich den praktischen Folgerungen entziehen, die wir um unserer Kinder und um unserer Verantwortung für die Welt von morgen willen zu ziehen haben. Für die Bekämpfung einer geistigen Seuche gelten letzten Endes dieselben Regeln wie bei einer sonstigen Epidemie: Der Einzelne muß geheilt werden Und der Infektionsherd muß beseitigt werden. Das heißt, wir müssen uns in Elternhaus, Schule und Kirche um die moralische Gesundung der jungen und alten Generation viel mehr als bisher bemühen. Solange aber von den modernen Massenmedien, von Fernsehen, Film, Illustrierten usw. das, was wir versuchen, tropfenweise im Einzelfall gut zu machen, kübelweise täglich verschüttet wird, muß der Trend nach abwärts gehen, wenn nicht auch die Quellen der Infektion verstopft und saniert werden. Der systematischen Zerstörung unserer moralisch-geistigen Substanz muß ebenso entgegengewirkt werden durch die Kontrolle und Bekämpfung der Infektionsquellen, wie dies im Falle von biologischen Seuchen selbstverständlich ist. Im medizinisch biologischen Bereich überläßt dies der Staat auch nicht einfach nur dem guten Willen und der persönlichen Einsicht des Einzelnen, sondern übernimmt durch das staatl. Gesundheitsamt die Desinfektion, die Immunisierung und die Verhängung von Quarantäne und Isolierung der von der Infektion befallenen Einzelnen. Wo aber bleibt die entsprechende Verantwortung unseres Staates für die geistig-moralische Gesundheit unseres eigenen Volkes oder die der jungen noch nicht voll entwickelten Nationen? Sind unsere "kulturellen" Exportartikel für diese nicht immunisierten Völker nicht ebenso gefährlich wie der Versand von Typhusbazillen? Würde für den Filmexport in diese Nationen nicht wenigstens derselbe bescheidene sittliche Maßstab erforderlich sein, den wir an jugendgefährdete Schriften und Filme im eigenen Land anlegen? Braucht es wirklich einen Skandal nach dem anderen in der westlichen Welt, einen Verrat nach dem anderen durch Menschen, deren Charakter und Persönlichkeit durch sexuelle Sucht und geschlechtliche Pervertiertheit zerstört wurde, um klar zu machen, daß diese Fragen keineswegs ein isoliertes medizinisch-psychologisches Privatproblem darstellen, sondern daß in der modernen Weltauseinandersetzung eine einzige Dirne und der dazugehörige Minister oder ein einziger Homosexueller an führender Stelle die Existenz unserer Völker gefährden kann. Wir verweisen noch auf die Forderung, die der damalige Bundeskanzler Dr. Adenauer auf dem Deutschen Ärztetag in Mannheim zum Thema der "öffentlichen Hygiene" machte (1963) "Daher glaube ich und ich sage das sehr überlegt, daß wir noch daran denken müssen, gerade Sie als Ärzte und auch wir als Politiker,... daß diese Schwemme von... schlechten Dingen nicht so über unser Volk hereinbricht, wie das leider Gottes der Fall ist". Der Augenblick ist unseres
Erachtens unwiderruflich gekommen, wo die Entwicklung nicht tatenlos hingenommen
werden kann, sondern klare Maßnahmen erfordert.
Unterzeichnerliste
der Professoren und Chefärzte von Frauenkliniken
Ihre Zustimmung haben
noch brieflich erklärt:
Chefärzte von Frauenkliniken:
Der Charakter jeder Gesellschaft wird von dem Objekt ihrer Liebe bestimmt. Augustinus Seitenanfang Nachwort zur 3. Auflage Eine Reihe der Überlegungen, die im Jahr 1964 durch die unterzeichnenden Vertreter der deutschen Ärzteschaft mutig veröffentlicht worden sind, wurden seitdem durch weltweite Erfahrungen bestätigt und sind inzwischen von unzähligen Zeitgenossen aufgenommen worden. Sex blockiert Liebesfähigkeit
Das Überhandnehmen der sexuellen Thematik in allen Bereichen unserer Gesellschaft signalisiert für viele Fachleute die Verkümmerung und Blockierung echter Liebesfähigkeit. Der bekannte Neurologe, Professor Viktor Frankl, legte im Herbst 1968 beim internationalen Philosophen-Kongreß in der Wiener Universität dar, wie sehr gerade unter dem Deckmantel der Freiheit, - auf dem Rücken der Menschen von heute - Geschäfte gemacht werden, durch die der erkrankenden Phantasie ständig neues Material geliefert wird. Die Ärzte wüßten aus ihrer Praxis ein Lied davon zu singen: "Die meisten Fälle von Potenzstörung und Frigidität sind gerade darauf zurückzuführen, daß der Patient direkt nach Lust strebt". Das übertriebene Streben nach sexuellem Glück und nach technischer Vervollkommnung der Liebes-Beziehung stehe sich selbst im Wege, es raube den Rest an Unmittelbarkeit und Unbefangenheit, der eine Bedingung normaler Sexualität sei. Die Tatsache, daß aufgrund ständiger Nachfragen jetzt bereits die 3. Großauflage dieser Denkschrift gedruckt werden muß, bestätigt die Prognose vom Frühjahr 1967 bei der Herausgabe der 1. Auflage: Die Debatte ist erst eröffnet! Enzyklika als Anstoß
Wir nehmen den Anstoß der Enzyklika und ihre Zueignung an alle Menschen guten Willens auch außerhalb der katholischen Kirche ernst. Die Heftigkeit von Zustimmung und Ablehnung zeigt, wie notwendig ein vermehrtes, verantwortliches Nachdenken über diese zentrale Lebensfrage geworden ist. In einem ausführlichen Leserbrief hat einer der evangelischen Initiatoren der Ulmer Denkschrift (10.8.1968, Die Welt) falsche Argumentation gegen die Papst-Enzyklika zurückgewiesen und abschließend erklärt: "Persönlich meine ich,
daß es eine kulturpolitischen Tat ersten Ranges ist, daß Papst
Paul VI. den Mut hatte - entgegen der offiziellen Gehirnwäsche aller
Massenmedien, entgegen politischen, persönlichen oder kommerziellen
Wünschen, ja in klarer Voraussicht einer nun gegen ihn einsetzenden
Hetze -, an klaren, vernünftigen und überpersönlichen Maßstäben
festzuhalten und dem Trend zum bequemen Nachgeben und Kapitulieren vor
der Triebhaftigkeit die Forderung auf charakterliche Entwicklung
Ende Juli hat der Papst in einer Ansprache noch einmal seine Gewissensentscheidung erklärt. Er sagte u.a.: "Noch nie haben wir mit solcher Schärfe wie bei dieser Gelegenheit die Last unserer Aufgabe im Dienst der gesamten Menschheit gefühlt ... Wir möchten in der Tat hoffen, daß alle, besonders die christlichen Eheleute -auch wenn sie den Eindruck haben, daß unser Wort schwer zu erfüllen ist - es verstehen mögen, daß nur die Treue zum Denken Christi diese scheinbare Strenge motiviert hat." Das Christusgemäße
ist das Sachgemäße
Die Bibel aber zeigt deutlich, daß der letzte Sinn der Ehe nicht in ihr selber und auch nicht in den Kindern liegt. Er besteht nach den Zeugnissen der Heiligen Schrift in der partnerschaftlichen Ergänzung und inneren Formung der Ehegatten, um miteinander Gottes Willen zu tun in gemeinsamer Verantwortung für die Mitmenschen (2. Kor. 5,15). Der Würde des einzelnen und dem Wohl der Völker können wir nur in einer Gesamtschau der unteilbaren Verantwortung gerecht werden, die zugleich nach dem Willen Gottes fragt. Allein dessen Annahme vermag die beiden humanitären Schutzgüter zu garantieren und zu ermöglichen, was Jesus Christus denen, die sich an sein Wort halten, versprochen hat: "Ich bin gekommen, damit ihr unzerstörbares Leben und volle Erfüllung finden könnt." (Joh. 10, 11) Wir begrüßen daher alle Schritte in Richtung auf größeren Einfluß der Gebote Gottes und des Denkens Christi in unseren Völkern und lehnen alle Versuche in entgegengesetzter Richtung aus Liebe und Verantwortung ab. Horst-Klaus Hofmann
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