Empfehlung
Zur vertiefenden Reflexion der im folgenden Beitrag angesprochenen Paradigmen empfiehlt Life-Lobby die Lektüre der von über 400 Ärzten im Jahre 1964 unterzeichneten
Ulmer Denkschrift - Ärzteprotest gegen die Propagierung der "Anti-Baby-Pille"  und
der von 140 schwedischen Ärzten 1966 an den König  verfaßten
Denkschrift Demokratie und "freie Liebe"


ZENIT - Presseschau - 29.03.03

Empfängnisverhütung und Abtreibung

"Wenn das menschliche Leben ohne Zusammenhang mit einem transzendenten Gott als seine Quelle und sein Ziel betrachtet wird, verliert es all seinen ihm innewohnenden Wert, ob dies nun im Namen des Liberalismus oder des Sozialismus geschieht." 

Die Richtigkeit von Pater de Torres Beobachtung wurde in einem Leitartikel demonstriert, der im Londoner "Economist" am 21. Juni 1997 erschien. Dieser Leitartikel befürwortet die Legalisierung des "unterstützten Selbstmords". Es heißt da: "Die westlichen Religionen haben eine Antwort, und sie ist kompromisslos: es ist unrecht, wenn Individuen das Leben, das Gott ihnen gegeben hat, beenden. Die klassische liberale Position, welche die des "Economist" ist, geht von einer anderen Prämisse aus. Individuen haben ein Recht auf Selbstbestimmung, und dies schließt das Recht ein -- und gipfelt vielleicht natürlicherweise in diesem Recht -- seinem Leben ein Ende zu setzen". 

Die Missachtung des Urhebers des Lebens, die für die Verhütungsmentalität charakteristisch ist, ist Ausdruck einer objektiven Weigerung, Gott als den maßgebenden Schiedsrichter über das Entstehen eines neuen Menschen anzuerkennen und fördert so die Missachtung der Heiligkeit des Lebens überhaupt. 

In dieser Hinsicht ist zu beachten, wie Papst Johannes Paul II. häufig die Aufmerksamkeit auf die Beziehung zwischen Empfängnisverhütung und Abtreibung lenkt. Bei einer Gelegenheit, als er zu einer Gruppe österreichischer Bischöfe über die Lehre von "Humanae Vitae" sprach, sagte der Heilige Vater: "Es darf kein Zweifel über die Gültigkeit der moralischen Grundsätze erlaubt sein, die dort [in "Humanae Vitae"] zum Ausdruck kommen. ... Die Einladung zu Empfängnisverhütung als einem vermeintlich ;harmlosen' Verhalten in der Beziehung zwischen den Geschlechtern ist nicht nur eine schleichende Leugnung der moralischen Freiheit des Menschen. Sie begünstigt (auch) ein depersonalisiertes Verständnis der Sexualität, die hauptsächlich auf den Augenblick beschränkt wird, und fördert in letzter Konsequenz jene Mentalität, aus der sich die Abtreibung ergibt und von der sie kontinuierlich genährt wird." 

In „Humanae Vitae" stellt Papst Johannes Paul II. fest, dass die Pro-Abtreibungskultur da besonders stark ist, wo die Lehre der Kirche über die Empfängnisverhütung abgelehnt wird. Der Heilige Vater erkennt zwar den Unterschied im Wesen und in der moralischen Bedenklichkeit an, der zwischen Empfängnisverhütung und Abtreibung besteht, stellt jedoch nichtsdestoweniger fest, dass "Empfängnisverhütung und Abtreibung oft eng miteinander verbunden sind, als Früchte desselben Baumes." 

Er spricht von einer "hedonistischen Mentalität," die "nicht gewillt ist, Verantwortung in Fragen der Sexualität zu übernehmen" und die "die Zeugung als Hindernis für die persönliche Erfüllung betrachtet." Er fügt hinzu: "Das Leben, das aus einer sexuellen Vereinigung entstehen könnte, wird so zu einem Feind, dem es um jeden Preis zu entrinnen gilt, und die Abtreibung wird zur einzig möglichen endgültigen Antwort auf eine misslungene Verhütung." 

Man weiß jetzt schon seit vielen Jahren, dass bestimmte so genannte "Empfängnisverhütungsmittel" auch abtreibend wirken. Unglücklicherweise versäumen es Theologen und andere, die von der Lehre der Enzyklika "Humanae Vitae" abweichen und die Ehepaare ermutigen, das Gleiche zu tun, häufig, die Aufmerksamkeit auf diese abtreibende Wirkung verschiedener Arten von so genannten Empfängnisverhütungsmitteln zu lenken. 

Die Verbindung zwischen Empfängnisverhütung und Abtreibung zeigt sich deutlich in der Tatsache, dass sowohl von IUDs (Intrauterinpessaren) als auch von empfängnisverhütenden Pillen bekannt ist, dass sie eine abtreibende Wirkung haben. Dr. Alan Trounson und Professor Karl Wood, Verfasser eines Artikels im "Medical Journal of Australia" von 1987 forderten größere Freiheit für menschliche Embryonen tötende Experimente mit der Begründung, dass die Gesellschaft ja bereits die Verwendung "intrauteriner Vorrichtungen, die Embryonen im Frühstadium töten", akzeptiere. 

Die Tatsache, dass die Pille abtreibend wirken kann, wurde von John Wilks in seinem Buch aus dem Jahr 1996 eindeutig dokumentiert, das den Titel trägt: "A Consumers Guide to the Pill and Other Drugs" (Führer für den Verbraucher zur Pille und anderen Medikamenten). Die Pille wirkt als Empfängnisverhütungsmittel, wenn sie die Ovulation hemmt oder durch die Veränderung der weiblichen Sekrete verhindert, dass das Sperma zum Ei gelangt. Wenn jedoch diese Wirkungsweisen nicht den erwünschten Erfolg haben, kann die Pille noch bewirken, dass die Implantation (Einnistung in die Gebärmutter) des befruchteten Eies verhindert wird, in welchem Fall sie zu einer Abtreibung führt. 

Außer den direkten Beziehungen zwischen Abtreibung und Kontrazeption, wie sie oben skizziert wurden, müssen auch innere Einstellungen in Betracht gezogen werden, wenn man das empfängnisverhütende Verhalten analysiert. Eine Gruppe bekannter Ethiker beschreibt die Einstellung gegen das Leben, die der Empfängnisverhütung zu Grunde liegt: 

Wenn Menschen verhüten, geht es ihnen gewöhnlich um den Geschlechtsverkehr, von dem sie denken, dass er zu einer Schwangerschaft führen könnte. Wenn sie das nicht denken würden, hätten sie keinen Grund zu verhüten. Sie schauen voraus und denken an das Baby, dessen Leben sie beginnen lassen könnten. Vielleicht aus einem weiteren guten Grund, vielleicht auch nicht, ist ihnen diese Aussicht unangenehm: "Wir wollen nicht, dass dieses mögliche Baby zu leben beginnt." Wie der Begriff Kontrazeption selbst schon deutlich macht, ist dieser Wille gegen das Leben gerichtet; es ist ein tatsächlicher (wenn auch nicht notwendigerweise gefühlsmäßiger) Hass auf das mögliche Baby, auf das sie vorausschauen und das sie ablehnen, genauso wie der Wille, das Entstehen eines Babys anzunehmen, eine tatsächliche Liebe zu dieser möglichen Person ist. 

Über die Beziehung zwischen Empfängnisverhütung und Abtreibung schrieb Dr. Siegfried Ernst, M.D.: "Die Antibabypille hat es möglich gemacht, das Erzeugen von Lust vom Akt der Zeugung zu trennen. Sie hat damit automatisch die ‚sexuelle Revolution‘ in Gang gebracht. ... Nachdem der Geschlechtsverkehr ‚sicher‘ geworden ist, haben sich die Geschlechtsakte vermehrt, als Resultat einer zeitgenössischen Propaganda, die für ‚das Recht auf ein glückliches Sexualleben‘ wirbt. ‚Unfälle’ sind proportional häufiger geworden, trotz -- oder als Folge? -- der Antibabypille. Und diese ‚ungewollten Kinder' müssen logischerweise durch Abtreibung aus dem Weg geräumt werden." 

Die Professorin Janet Smith lenkte ebenfalls die Aufmerksamkeit auf die Beziehung zwischen Empfängnisverhütung und Abtreibung, als sie sagte: "Die Empfängnisverhütung nimmt das Element der Erzeugung eines Babys aus dem Geschlechtsverkehr heraus. Sie lässt eine Schwangerschaft eher als einen Unfall beim Geschlechtsverkehr erscheinen als dass diese als natürliche Konsequenz gesehen wird, für die verantwortungsvolle Menschen bereit sein sollten. Die Abtreibung wird dann denkbar als Lösung für eine ungewollte Schwangerschaft. Die Kontrazeption ermöglicht es denen, die nicht dazu bereit sind, für ein Baby zu sorgen, Geschlechtsverkehr zu haben; wenn sie schwanger werden, nehmen sie es dem ungeborenen Kind übel, dass es in ihr Leben eingedrungen ist und wenden sich der Lösung einer Abtreibung zu. Es sollte nicht überraschen, dass Länder, in denen empfängnisverhütender Geschlechtsverkehr gang und gebe ist, heftiger um den Zugang zur Abtreibung kämpfen als dafür, sicherzustellen, dass alle Babys sowohl innerhalb als auch außerhalb des Mutterleibes überleben können. Es ist töricht, wenn Pro-lifer glauben, dass sie die Auswirkungen der Empfängnisverhütung und sexueller Verantwortungslosigkeit ausklammern und erfolgreich im Kampf gegen Abtreibung sein können." 

Dieser Zusammenhang zwischen Verhütungsmentalität und Abtreibung wurde deutlich illustriert in der Entscheidung des obersten US-Gerichts im Fall Planned Parenthood gegen Casey, durch welche die Entscheidung im Fall Roe gegen Wade bestätigt wurde. 

In diesem Gerichtsentscheid hieß es: "In einigen entscheidenden Punkten hat die Abtreibung denselben Charakter wie die Entscheidung für eine Verhütung. ... Seit zwei Jahrzehnten wirtschaftlicher und sozialer Entwicklungen haben die Menschen ihre intimen Beziehungen organisiert und Entscheidungen getroffen, die ihre Vorstellung von sich selbst und ihrem Platz in der Gesellschaft bestimmen, bauend auf die Möglichkeit einer Abtreibung für den Fall, dass die Verhütung erfolglos sein sollte." 

Über diese Entscheidung des obersten Gerichtshofs sagte Professorin Janet Smith: "Nach dieser Entscheidung des obersten Gerichts braucht man sich überhaupt keine Mühe mehr zu machen, ‚aufzudecken' was wirklich hinter der Neigung des modernen Zeitalters zur Abtreibung steckt. Wie das oberste Gericht offen erklärt, brauchen wir die Abtreibung, um mit unserem empfängnisverhütenden Lebensstil weitermachen zu können. Nicht weil die Empfängnisverhütungsmittel unwirksam sind, lassen eineinhalb Millionen Frauen im Jahr eine Abtreibung als Ersatzmöglichkeit für versagende Empfängnisverhütungsmittel vornehmen. Es sind die durch die Verhütungsmittel erleichterten und geförderten ‚intimen Beziehungen,‘ die Abtreibungen ‚nötig‘ machen. ... Hier hat das Wort ‚intim‘ (engl. ‚intimate‘, was auch ‚innig, vertraut‘ bedeutet) die Bedeutung ‚sexuell'; es meint nicht ‚liebend und vertraut‘. Abtreibung ist meist das Ergebnis von sexuellen Beziehungen, in denen es wenig wahre Vertrautheit und Liebe gibt, in denen kein Platz für ein Baby ist, dessen Entstehen das natürliche Ergebnis des Geschlechtsverkehrs ist." 

ZGP03032903
Seitenanfang

zurück